Humusaufbau - es lebe die Erde!

Mit Humusaufbau können wir unsere Böden verbessern und einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Gewässerschutz leisten. Humus belebt die Erde, schützt vor Erosion, nimmt bei Starkregen überschüssiges Wasser besser auf, welches dann bei Trockenheit länger den Kulturen zur Verfügung steht. Gleichzeitig ist der Humus ein grosser Speicher von Makro- und Mikronährstoffe, welche die Pflanzen bei Bedarf aufnehmen können.

Kurz gesagt, gibt es keinen guten Grund, keinen Humusaufbau zu betreiben!

Damit die Humusaufbaumassnahmen von Erfolg gekrönt sind, ist es wichtig die Grundlagen des Humusaufbaus zu verstehen. Erfolgreicher Humusaufbau basiert auf 4 Säulen, welche wir Landwirte stets im Auge behalten müssen:


Die vier Säulen des Humusaufbaus

1. Kohlenstoff

Kohlenstoff ist mit etwas mehr als 50% mengenmässige der wichtigste Teil des Humus. Pflanzen nehmen durch die Photosynthese Kohlenstoff aus der Atmosphäre auf und transportieren ihn über ihre Wurzeln in den Boden. Auch bei der organischen Düngung stammt der Kohlenstoff ursprünglich aus der Atmosphäre. Während dies beim Grüngutkompost noch offensichtlich ist, ist der Weg beim Mist (Futter-Tier-Mist) etwas länger.

Daraus lernen wir, dass egal mit welcher Massnahme wir den Humusgehalt im Boden erhöhen wollen, wir kommen nicht darum herum, die Photosyntheseleistung auf unseren Äckern zu erhöhen. Die Äcker sollten möglichst ganzjährig mit pflanzlichen "Solarpanels" bedeckt sein, damit wir möglichst viel Sonnenenergie in Form von Kohlenstoff in den Boden bekommen.

Pflanzenwurzeln sind die Futtertröge der Bodenlebewesen. Sie transportieren die in den Blättern hergestellten Zuckermoleküle in den Boden. (Foto: Universität Wageningen)

Wälder sind ganzjährig begrünt und dadurch haben Waldböden deutlich höhere Humusvorräte als Ackerböden. Auch nährstoffreiche Wiesen und Weiden haben eine hohe Photosyntheseleistung mit entsprechend hohen Bodenhumusvorräten. Im Ackerbau wird der Humusaufbau durch abreifende Kulturen und vegetationsfreie Phasen unterbrochen. Dies müssen wir bestmöglich mit Zwischenfrüchten und Untersaaten kompensieren.


Unsere Empfehlung: Lassen Sie bei den Bodenuntersuchungen den Humusgehalt analytisch bestimmen.
Aus unserem Angebot: Doppelanalyse mit Humus (79.- pro Probe)


2. Nährstoffe

Viele verschiedene Nährstoffe sind im Humus gespeichert. Die wichtigsten dabei sind:

  • etwa 5% Stickstoff
  • 1-1.5 % Phosphor
  • 0.5-1% Schwefel

Ein Boden mit 5% Humus enthält somit in den obersten 20 cm über 3'000 kg Stickstoff, etwa 600 - 900 kg Phosphor und 300 - 600 kg Schwefel pro Hektare! Dies ist ein angenehmes Nährstoffpolster für den Pflanzenbau, macht aber auch deutlich klar, dass auf nährstoffarmen Flächen kein Humusaufbau stattfinden kann. Im Futterbau zeigt sich das gleiche Phänomen, wenn Humusgehalte von extensiven und intensiven Wiesen verglichen werden.

Unsere Empfehlung: Untersuchen Sie Ihre Böden regelmässig alle 4-6 Jahre auf seine Nährstoffvorräte.


3. Bodenbiologie

"Meist wird nicht erkannt, dass es für jede schädliche oder parasitische Mikrobe Dutzende von Nützlinge gibt.
Ohne die Letzteren würde es kein Brot zum Essen geben, kein Wein zu trinken, keine fruchtbaren Böden […].
Man kann sich ohne Existenz von Mikroben keine Form von höherem Leben vorstellen."
(Selman Waksman, Biochemiker, Mikrobiologe, Humusforscher;
isolierte mehrere Antibiotika aus Bodenmikroben und erhielt dafür im Jahr 1952 den Nobelpreis für Medizin)

Ein alter, morscher Obstbaumpfahl zeigt: Boden lebt und zwar vor allem in den obersten 20 Zentimeter! In den oberen 20 Zentimeter des Bodens lebt die grosse Mehrheit der Bodenmikroorganismen, welche Rohorganik verdauen und in wertvollen Humus umwandeln können.

Die chemische Struktur des Humus ist verschieden von der Struktur der ursprünglichen, pflanzlichen Biomasse. Ernterückstände, eingearbeitete Gründüngungen und auch organische Dünger müssen im Boden zuerst "vererden", damit sie zu Humus werden. Dieser Vererdungsprozess wird von den verschiedenen Bodenorganismen durchgeführt.

Zurzeit existieren verschiedene Theorien, wie dieser Vererdungsprozess abläuft:

  • Humifizierung: Die Mikroorganismen wandeln die Rohorganik in komplexe, stabile Humusmoleküle um
  • "Recyclinghof": Die Mikroorganismen verwenden die Organik wieder und wieder, wodurch der Humus lang im Boden verbleibt
  • Der vererdete Humus besteht grösstenteils aus den Rückständen von abgestorbenen Mikroorganismen.

Fazit: Egal, welche Theorie sich schlussendlich als richtig erweist, ist klar, dass nur in einem lebendigen Boden Humus aufgebaut werden kann. Wir Bauern sind verantwortlich dafür, dass die 20 bis 30 Grossvieheinheiten pro Hektare unter der Bodenoberfläche stets genügend Futter (Ernterückstände, organische Düngung, Zwischenfrüchte) haben.


Unsere Empfehlung: Überprüfen Sie die bodenbiologische Aktivität in regelmässigen Abständen mit der Spatenprobe. Behandeln Sie die Bodenorganismen mit der gleichen Sorgfalt wie die Tiere im Stall.


4. Bodenstruktur

Humus enthält auch grosse Menge Sauerstoff und Wasserstoff. Ein humusaufbauender Boden braucht daher eine gute Luft- und Wasserversorgung. Es ist folglich wichtig, dass wir bei unserer Arbeit Bodenverdichtungen bestmöglich vermeiden und die Bodenstruktur erhalten.

Bodenphysikalische Untersuchungen im Labor sind zwar möglich, damit sie aber aussagekräftig sind, muss die Bodenstruktur bei der Probeentnahme und dem Probentransport erhalten bleiben. Deswegen kann die Bodenstruktur nicht anhand von ÖLN-Proben untersucht werden. Der grosse Mehraufwand bei der Probeentnahme sorgt dafür, dass gute, bodenphysikalische Analysen sehr teuer sind. Es lohnt sich also einige Grundlagen zu erlernen, um mit der Spatenprobe die Bodenstruktur selbst beurteilen zu können.

Idealer Zustand. Die rundlichen, porösen Kleinstrukturen deuten auf biologische Prozesse im Boden hin. Die vielen Poren ermöglichen eine rasche Aufnahme von Niederschlagswasser und verbessern die Sauerstoffzufuhr im Boden. Dieses Krümelgefüge ist typisch für Böden mit guter Humusversorgung.

Kantige, glatte und grössere Strukturen sollten möglichst vermieden werden. Sie entstehen durch physikalische Prozesse (Frost, Maschinen, etc.). Die fehlenden Hohlräume führen zu sauerstoffarmen Zonen im Boden, wodurch die Bodenlebewesen inkl. Pflanzenwurzeln versticken können. Zudem kann Niederschlagswasser schlechter in den Boden einsickern, Verschlämmung und Erosion an der Bodenoberfläche sind die Folge.


Fazit des Pratikers:

Bodenstruktur misst man nicht im Labor, sondern beobachtet sie im Feld mit der Spatenprobe.

Die Bodenstruktur fördern wir durch tiefwurzelnde Gründüngungen, reduzierte Bodenbearbeitung und Reifendruckregelanlagen (RDS).


Humusaufbauprojekte

Um erfolgreich Humus aufbauen zu können, muss der aktuelle Zustand des Bodens bekannt sein und die schwächste der vier Säulen bekannt sein. Da dies für jeden Schlag unterschiedlich ist, gibt es keine Pauschallösungen wie der Humusaufbau im Einzelfall umzusetzen ist. Jedes Humusaufbauprojekt beginnt folglich mit einer exakten, wiederholbaren Probenentnahme. Aus diesem Grund sind wir an mehreren Humusaufbauprojekten beteiligt